Leben im bulgarischen Kurort Sandanski

Man kann über Winston Churchill sagen was man will, aber Geschmack hatte er: der verblichene Briten-Premier bevorzugte Rotwein aus Sandanski. Der sogenannte „Melnik“-Wein wurde früher in vielen  Adelshäusern konsumiert und hatte Weltgeltung. Aber ist das ein Grund, nach Sandanski auszuwandern?

Sandanski hört sich nach einem Familiennamen an und ist auch einer: Das Städtchen im äußersten Südwesten Bulgariens wurde nach einem Freiheitskämpfer benannt, der sich beim Aufstand der Bulgaren gegen die Türkenbesatzung hervortat. Vorher hieß Sandanski Sveti Vrach – und damit kommt man der Sache schon näher. Denn Sveti Vrach heißt „Heiliger Arzt“ und bezeichnet eine Stelle, die seit Menschengedenken als magischer Ort der Kraft und Heilung gilt.

Magischer Ort der Kraft und Heilung

Es ist nämlich so: in Sandanski vermischt sich reine Gebirgsluft mit milden Einflüssen vom Mittelmeer zu einem weltweit einzigartigen Heilklima, das chronisches Bronchial-Asthma und andere schwere Atemwegsleiden heilt. Diese Konstellation hat auch auf viele Gesunde einen bemerkenswerten Effekt: man fühlt sich heiter und beschwingt, schwebt praktisch „eine Etage höher“. Was manchmal dazu führt, daß zuhause anrufende Touristen schuldlos für betrunken gehalten werden! Das heilsame Klima ist aber nicht alles. Der Ort ist auch mit 80 Heilquellen gesegnet, die zahlreiche andere Krankheiten lindern. Aus diesen Gründen betrieben hier schon die Römer Kurbäder, bauten militärische Lazarette und nutzten den Umstand, daß in Sandanski Wunden schneller als woanders heilen.

Stadt der Kinderwagen

Wer nun aber denkt, daß in Sandanski hauptsächlich sieche Alte herumschleichen, irrt sich gewaltig. ‭Sandanski ist eine Stadt voller junger Leute, die abends die zahlreichen Straßen-Cafes mit Leben füllen. Ein Besucher erklärte kürzlich erstaunt, er habe noch nie so viele Frauen mit Kinderwagen wie in Sandanski gesehen. Offenbar steigert das submediterrane Heilklima die Lebenslust in mehrfacher Hinsicht!

‭Auffallend ist gleich am Anfang, daß Sandanski nicht in das Klischee des EU-Armenhauses Bulgarien passen will. Der Kurort ist sauber und gepflegt, viel Grün, eine kilometerlange Fußgängerzone mit südlichem Flair, gut gekleidete Leute. Es gibt einen grandiosen Kurpark, ein riesiges Kurzentrum und eine moderne, funktionierende Infrastruktur. Kein Wunder – das Städtchen lebt nicht nur prima von seinen rund 30.000 Kurgästen im Jahr, sondern auch von den gebeutelten Griechen, die am Wochenende scharenweise zum Einkaufen, Tanken und Zahnarztbesuch einfallen. Denn Sandanski wartet noch mit ein paar weiteren Vorteilen auf.

‭Halb so teuer wie daheim

‭Die Preise sind erheblich niedriger als in anderen EU-Ländern, das meiste ist 50% billiger als in Deutschland. Und die niedrigsten Steuern zahlt man auch noch. Wer hier eine GmbH gründet, kann in den meisten Bereichen ohne Lizenz tätig werden, den EU-Binnenmarkt nutzen und sich über ganze 10% Körperschaftssteuer freuen (die Einkommensteuer ist übrigens auch nicht höher). Ein weitere angenehme Besonderheit: die Bevölkerung pflegt einen herzlichen und friedlichen Umgang miteinander, ist hilfsbereit und ausgesprochen deutschfreundlich.

‭Verkehrsgünstige Lage

‭Zu den großen Fragezeichen beim Auswandern gehört die Verkehrslage des Wunschziels. Auch hier punktet Sandanski: Der submediterrane Kurort liegt zwischen den beiden internationalen Flughäfen von Sofia und Theassaloniki. Besonders von Sofia aus gibt es täglich zahlreiche Direktflüge in alle Richtungen, einige mit Billig-Airlines. Daneben halten die im Augenblick noch klapprigen und meist verspäteten Züge der Hauptstrecke Sofia-Thessaloniki-Athen in Sandanski. In absehbarer Zeit wird es aber eine Hochgeschwindigkeits-Trasse geben, so daß man ohne Umsteigen von Wien bis nach Sandanski rauschen kann. Ein weiterer großer Trumpf: Sandanski wird in ein, zwei Jahren eine Autobahn-Anbindung mit eigener Auffahrt haben.

‭Das Geld kommt aus dem Westen

‭Na gut. Aber wie kann man in Sandanski Geld verdienen? Es gibt viele Möglichkeiten, wenn man sich Westeuropäer als Zielgruppe aussucht: Warenexporte unter Ausnutzung  der oft enormen Preisunterschiede, Aktivitäten im Bereich Firmengründung und Steueroptimierung, Vermittlung und Betreuung von Kuren und ärztlichen Behandlungen, Esoterik-Kurse, Autoverleih, Seniorenresidenz, Immobilienagentur, mehrsprachiges Anzeigenblatt für Touristen… Erheblich schwieriger wird‘s, wenn man den Bulgaren was verkaufen will, denn die Konkurrenz ist groß und billig. Wer es trotzdem wagen will – folgendes und manches mehr gibt es noch nicht: McDonald‘s, Pizza-Service, Flohmarkt, Konzertveranstalter, Waren-Automaten, Kunst-Galerie, deutsche Handwerker, deutscher Bäcker, deutsche Würstelbude. Möglicherweise läßt sich auch im Luxusbereich was machen: die kleine Gruppe der Reichen muß ihr Leben noch ohne Spitzen-Restaurant, Delikatessengeschäft und Party-Service fristen.

‭Auf der deutschsprachigen Website http://www.sandanski-spa.eu kann man alles Wissenswerte über Sandanski erfahren und sich anhand zahlreicher Fotos einen Eindruck verschaffen. Die Website enthält auch eine Immobilien-Abteilung, in der Grundstücke, Häuser und Wohnungen zu sehr niedrigen Preisen angeboten werden.

‭Sandanski auf einen Blick

Plus:

  • Die Stadt (fast 30.000 Einwohner) ist EU-Territorium und bietet daher nicht nur wesentlich mehr Sicherheit als andere Weltgegenden, sondern auch erhebliche Vorteile in bezug auf Niederlassungsrecht, Sozialversicherung, Rentenzahlung usw.
  • Die Lebenskosten sind halb so hoch wie Deutschland oder Österreich, in keinem EU-Land kostet Energie weniger, sind die Steuern niedriger. Man kann schon mit 500-600 Euro im Monat leben, ohne auf was verzichten zu müssen
  • In Kürze Autobahn-Anbindung an zwei internationale Flughäfen, in absehbarer Zeit auch an eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke
  • Das Wetter ist in etwa mit dem an der Costa Brava oder Cote d’Azur vergleichbar. Der Winter ist normalerweise mild – nur wenn es die Kälte über die schützenden Balkan-und Rodopen-Berge im Norden schafft, kann es ungemütlich werden. Die Luft ist mit durchschnittlich 66% sehr trocken, Mücken, Nebel und Stürme sind so gut wie unbekannt
  • Die Stadt bietet erstklassige Ärzte, viele Gesundheits- und Wellness-Einrichtungen, eine Großauswahl an Hotels, Geschäften, Restaurants, Kneipen usw., mehrere große Supermärkte, einen täglich stattfindenden Bauernmarkt mit frischen, regionalen Produkten von kleinen Erzeugern…
  • Schnelles Internet, Festnetz- und Mobiltelefon sind auch in den umliegenden Dörfern Standard, deutsches SAT-TV kann problemlos empfangen werden
  • Das Trinkwasser aus den nahen Bergen ist frisch, sauber und fast gratis, das Heilwasser aus den Thermalquellen kostet gar nichts
  • Straßen- oder Einbruchskriminalität ist äußerst selten, kaum ein Fenster ist vergittert
  • Die Stadt hat eine imposante Gebirgskulisse, Wälder, Almen und alte Bergdörfer sind nur Minuten entfernt, der internationale Ski-Ort Bansko und das Mittelmeer befinden sich in Reichweite
  • Die Gegend ist ein hervorragendes Weinbaugebiet. Auch Granatäpfel, Oliven, Zitronen, Kiwi, Tabak und Erdnüsse gedeihen prächtig. Aus dieser Gegend kommen immer die ersten Melonen, Kirschen und Erdbeeren im Land
  • Immobilien kosten noch wenig, renovierungsbedürftige Häuser mit Grundstück sind ab rund 10.000 € erhältlich, eine kleine Neubauwohnung im Zentrum ab etwa 25.000 €
  • Die geschäftlichen Möglichkeiten sind wie in Spanien vor 20 Jahren, vieles ist noch machbar
  • Man kann für 400 Euro eine Einmann-GmbH mit 1 Euro Kapital ohne Aufstockungspflicht gründen, die meisten Geschäftstätigkeiten sind lizenzfrei (auch Gastronomie, Lebensmittel-Herstellung usw., aber strenge hygienische Überwachung)

Minus:

  • Bulgarien hat ein denkbar schlechtes Image als korruptes Land. Man muss seine Auswander-Entscheidung oft verteidigen. (De facto sind Griechenland, Rumänien, Spanien, Portugal, Italien und andere EU-Länder aber kaum weniger korrupt)
  • Die oft zitierte Armut ist nach westeuropäischen Maßstäben groß, muß aber relativiert werden: viele Einnahmen gehen an der Steuer vorbei und tauchen in keiner Statistik auf. Auf dem Land hat fast jeder ein eigenes Häuschen mit Obst-, Gemüse- und Weingarten und versorgt sich weitgehend selber.
  • Man sieht noch viele Hinterlassenschaften des Kommunismus, vor allem Fabrikruinen und abgehauste Plattenbauten in den Vorstädten – oft gleich neben glitzernden Einkaufstempeln
  • Viele Straßen im Land sind in schlechtem Zustand
  • Am Anfang hat man Probleme mit der kyrillischen Schrift – man versteht Straßennamen, Hinweisschilder usw. nicht (Speisekarten gibt es aber in den meisten Restaurants auch in englisch)
  • Man stäßt schnell auf „Berater“, die in Westeuropäern hauptsächlich Milchkühe sehen. In Hotels und Restaurants gibt es Leute, die ihre Währung Lev gegenüber Ausländern mit dem doppelwertigen Euro verwechseln oder gleich eine „Spezial“-Preisliste für Ausländer bereithalten
  • Viele Firmen beanworten keine e-mails (man muß sich selbst wegen Kleinigkeiten oft mit jemandem treffen), englischsprachige Website-Versionen sind oft nur Fassade – nach den ersten Klicks geht‘s in bulgarisch weiter
  • In Restaurants wird meistens alles auf einmal serviert, so daß manches kalt ist, bevor man es essen kann. (Abhilfe: eins nach dem anderen bestellen)

Auswandern:
EU-Gebiet,  submediterranes Heilklima, moderne Infrastruktur, halbe Lebenskosten

Von Hans Haenel

Über Hans Haenel

Hans Haenel war lange Zeit als selbständiger Texter und Marketing-Berater für bekannte Unternehmen in Holland, Österreich und Frankreich tätig und lebt nun abwechselnd an der Costa Blanca und in Sandanski. Haenel bemüht sich, Sandanski als Kurort, Auswanderziel und Ruhesitz bekanntzumachen und publiziert zu diesem Zweck zwei deutschsprachige Websites: sandanski-spa.eu und kurort-sandanski.eu Daneben promotet Haenel die internationale Lizenzmarke Wellnest.
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9 Antworten auf Leben im bulgarischen Kurort Sandanski

  1. Peter Heindorf sagt:

    Ich möchte mit meiner Frau eventuell im Sommer nach Sandanski auswandern.Suche Ansprechpartner der die deutsche Sprache spricht.

    • Guten Tag Herr Peter Heindorf, ich habe Ihnen eine Kontaktperson zum oben genannten Urlaubsziel per Email gesendet. Ich hoffe es hilft Ihnen weiter. Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verüfung. Gruss Artur Nietsch

    • Peter Heindorf sagt:

      Gibt es in sandanski möblierte Mietwohnungen? Kann mann sich halbtags eine deutschsprachige Haushaltshilfe nehmen? Wir werden im August Sandanski das 1. Mal besuchen kommen. Wäre Ihnen für Vorabinformationen sehr dankbar.Gruß Peter Heindorf

      • Ich gehe mal davon aus, aber auch in Ihrem Fall habe ich die Angelegenheit an Herrn Hans Haenel weitergeleitet.

        Gruss Artur Nietsch

      • Hans Haenel sagt:

        Hallo Herr Heindorf,
        ich freue mich über Ihr Interesse an Sandanski und bin sicher, daß Sie dieser besondere Ort nicht enttäuschen wird.
        In Sandanski werden Sie problemlos eine möblierte Mietwohnung finden, die Ihren Vorstellungen entspricht.
        Auch eine deutschsprachige Haushaltshilfe läßt sich finden.
        Bitte schreiben Sie mir etwa eine Woche vor Ihrem Kommen, was Ihnen wohnungsmäßig vorschwebt, dann werde ich alles für Sie arrangieren. Ich selbst werde wieder ab ungefähr Mitte August für rund 3 Wochen in Sandanski sein. Vielleicht können wir uns treffen, ich zeige Ihnen gern die Stadt. (Alles gratis).
        Freundliche Grüße
        Hans Haenel

  2. Schwalm, Helga sagt:

    Guten Abend Herr Heindorf,
    habe mich gerade mal etwas “schlau” gemacht über die Stadt Sandanski und würde gern dort urlauben. Gern würde ich eine kleine Ferienwohnung oder Ferienhaus mieten wollen. Das vorerst nur für eine Person. Möchte mich umschauen und evtl. dort mal Lebensabend evtl. in 1 Jahr verbringen wollen.
    Ich konnte von Deutschland keine Einträge bei Google finden.

    Im Nachtrag zu meiner Mail, ich wollte privat wohnen und mieten.

    Mit freundlichen Grüßen

    • Hallo zusammen,

      die Zuständigkeit liegt bei Herrn Hans Haenel. Ich habe Ihn informiert und er wird sich sicherhlich der Angelegenheit annehmen.

      Gruss Artur Nietsch

    • Hans Haenel sagt:

      Hallo Frau Schwalm.
      in Sandanski gibt es viele Ferienwohnungen, Ferienhäuser dagegen kaum. Wichtig ist, sich rechtzeitig darum zu kümmern – speziell Anfang Mai (etliche Feiertage hintereinander) und im Herbst (Wandervögel) ist schnell alles vermietet. Bitte schreiben Sie mir, was Sie wann zu welchem Maximalpreis wollen. Ich werde Ihnen ein paar Vorschläge machen.
      Freundliche Grüße
      Hans Haenel

  3. Peter Heindorf sagt:

    Hallo Herr Haehnel, wir werden wahrscheinlich vom 1.September bis zum 8.September in Sandanski erst mal Urlaub machen.Es wäre schön wenn wir uns mal treffen könnten,so das wir einen persönlichen Eindruck über Sandanski bekommen.Unsere Auswanderung nach Sandanski ist für den 1.Februar 2014 geplant.Können Sie mir eine Telefonnummer mitteilen,wie ich sie kurz vor unserem Septemberaufenthalt erreichen kann .Meine private telefonnummer Handy lautet 015208723291 plus Auslandsvorwahl.Vielen Dank im Voraus Peter Heindorf.

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