Existenzgründung für Ingenieure

Wer sich als Ingenieur selbstständig machen und zum Beispiel ein Ingenieurbüro eröffnen möchte, hat im Prinzip gute Voraussetzungen, denn Ingenieure sind grundsätzlich immer gefragt und Nachwuchs ist händeringend gesucht. Nichtsdestotrotz, sollte man vor der Existenzgründung die Chancen und Risiken gut abwägen und Aspekte wie Geschäftsidee und Finanzierung gründlich hinterfragen und planen.

Chancen

Besonders wichtig für den Erfolg der Existenzgründung sind natürlich nicht nur die bloßen Erfolgschancen, sondern auch die eigene Motivation. Beweggründe für eine Selbstständigkeit sind zum Beispiel die Aussicht auf ein höheres Einkommen oder die Tatsache, dass man seine eigenen Ideen selbstständig umsetzten kann. Natürlich klingt es dazu schlicht und einfach verlockend sein eigener Chef zu sein, denn so entscheidet man über seine eigenen Arbeitszeiten und weiß stets wofür man arbeitet.

 Risiken

Was bei den Chancen noch positiv klingt, kann jedoch auch zum Risiko werden. Schließlich bedeutet die Leitung eines Unternehmens auch Verantwortung tragen, denn besonders wenn man Angestellte hat, bemerkt man plötzlich, dass man nicht nur für sich selbst arbeitet. Ein großes Risiko bei Ingenieuren in der Selbständigkeit ist der Mangel an wirtschaftlichem bzw. marktorientiertem Denken, schließlich sind Ingenieure meist technisch versiert und auf ein Fachgebiet spezialisiert, was die Denkweise manchmal einschränken kann. Außerdem weiß man trotz Prognosen nie genau wie sich die Wirtschaftslage entwickelt und mit wenig unternehmerischer Erfahrung ist es oft schwer auf Krisen richtig zu reagieren.

Eigene Stärken und Schwächen

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) hat eine Checkliste zusammengestellt, die bei der Bewertung der eigenen Stärken und Schwächen helfen soll:

  • Fachliche Kenntnisse
  • BWL- und rechtliche Kenntnisse
  • Gesundheit und Belastbarkeit
  • Verhalten in Stress-Situationen
  • Unterstützung durch Familie
  • Work-Live Balance
  • Führungsqualitäten
  • Flexibilität
  • Kontaktfreudigkeit

Die Geschäftsidee

Besonders die Geschäftsidee sollte gut durchdacht sein, denn sonst besteht die Gefahr, dass Sie als selbständiger Ingenieur einen Service anbieten, der gar nicht gefragt ist. Es spielt keine Rolle, ob Sie Spezialist für Bauprojekte, Elektronik oder Servomotoren sind, denn der erste Schritt ist immer die Analyse der Konkurrenz und des Bedarfs. Nur so wissen Sie, ob bzw. was Kunden bereit sind für Ihre Dienstleistung zu zahlen, was selbstverständlich wichtig für die gesamte Finanzierung des Projektes ist. Als Grundlage für eine Geschäftsidee sollte immer ein Problem bestehen, dass Sie als Ingenieur für Ihre Kunden lösen können.

Was zusätzlich wichtig bei den Überlegungen bezüglich Ihrer Geschäftsidee ist, sind potenzielle Zukunftstrends, denn diese können darüber entscheiden, ob Ihre Existenzgründung ein Erfolg wird.

Berufsbezeichnung

Jeder, der ein abgeschlossenes Ingenieurstudium vorweisen kann, darf sich Ingenieur nennen. Die Bezeichnung „Beratender Ingenieur“ ist jedoch geschützt und darf nur benutzt werden, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Die erste Bedingung ist, dass man bereits den Titel Ingenieur trägt. Dazu muss man eine Berufserwahrung von mindestens 2-3 Jahren haben und Mitglied einer Ingenieurkammer sein. Dies ist für Elektroingenieure leider nur bedingt möglich, da es in einigen Bundesländern nur Ingenieurkammern gibt, die Elektroingenieure ausschließen. Eine weitere Voraussetzung für den Titel „Beratender Ingenieur“ ist das Ausführen einer eigenverantwortlichen Tätigkeit, was ebenfalls für den Schritt in die Selbstständigkeit spricht. Weitere geschützte Namen, die besondere Voraussetzungen erfordern, sind zum Beispiel „Prüf-„ oder „Vermessungsingenieur“, somit sollte man immer genau nachforschen, ob man mit der eigenen Namensgebung gegen kein Gesetz verstößt.

Innovationen

Wer nicht nur eine Dienstleistung, sondern eine neu entwickelte Innovation anbieten möchte, sollte sich über den Schutz der eigenen Idee informieren. Die Anmeldung eines Patentes ist jedoch alles andere als günstig, da Patentanwälte und das Verfahren bezahlt werden müssen. Als Student kann man jedoch eine finanzielle Unterstützung vom Deutschen Patentamt bekommen, um die Kosten des Verfahrens zu decken.

Abschließend ist zu sagen, dass eine Existenzgründung immer ein großer Schritt ist und jeder für sich entscheiden muss, ob er bereit ist die Risiken einzugehen. Als Ingenieur muss man sich aber in der Regel weniger Sorgen machen, denn sobald man seinen eigenen Kundenstamm aufgebaut hat, sollte es an Aufträgen nicht mangeln.

Quelle: www.vde.com

Über Robert Behler

Robert Behler - Kollmorgen GmbH, geboren 1970, erhielt im Alter von 26 seinen Diplom Ingenieur mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik/Automatisierungstechnik und hat seitdem in verschiedenen Unternehmen Erfahrungen mit der Applikation von Antriebssystemen gesammelt. Heute arbeitet er als Applikations-Ingenieur Antriebstechnik bei der Firma Kollmorgen und setzt sich außerdem für die Nachwuchsförderung in der Technikbranche ein.
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