Die Wahl der passenden Gesellschaftsform

Immer mehr Menschen wählen den Weg in die Selbstständigkeit. Aus mehreren Gründen ist dies auch eine sinnvolle Entscheidung. Unternehmensgründer können ihre Ziele und Vorstellungen unmittelbar umsetzen und sind nicht dem Diktat von Vorgesetzten ausgeliefert. Die eigene Firmengründung erfordert aber auch, neben einer zündenden Idee, Entscheidungen, die wohl durchdacht sein müssen. Das Sammeln von Informationen um dann die bestmögliche und auf die jeweilige Situation abgestimmte Entscheidung zu treffen, ist unerlässlich.

Die Wahl der passenden Gesellschaftsform

In Deutschland gibt es bei der Selbstständigkeit eine gewisse Anzahl möglicher Gesellschaftsformen. Dabei ist diese Entscheidung objektiv von mehreren Faktoren wie der Branche, der vorhandenen Kapitaldecke, der Anzahl der Gesellschafter sowie den geplanten Einsatz von Mitarbeitern abhängig.
Da jede Gesellschaftsform auch Besonderheiten besitzt, sollte der Wahl dieser Rechtsform besondere Beachtung geschenkt werden.

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts und die OHG

Eine sehr verbreitete Gesellschaftsform ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Um diese zu gründen, müssen mindestens zwei Gesellschafter einen “gemeinsamen Zweck” bekunden. Die §§ 705-740 des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) regeln die Möglichkeiten und gesetzlichen Bestimmungen zu dieser Unternehmensform. Die Gründung einer GbR bedarf nicht zwingend der Schriftform, geschweige denn der notariellen Beurkundung. Es ist allerdings absolut empfehlenswert, einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen, um späteren Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Dieser Vertrag sollte wichtige Punkte wie Einlage, die jeweilige Verteilung von Gewinn und Verlust, den Zweck der Gesellschaft sowie die Geschäftsführung, beinhalten. Dabei handelt es sich bei der GbR nicht zwingend um einen Gewerbebetrieb, diese Gesellschaftsform kann auch anderen nicht kommerziellen, beispielsweise ideellen oder persönlichen Zwecken dienen.

Nicht zwingend notwendig aber sicherlich sinnvoll sind darüber hinaus Regelungen bei Tod bzw. Ausscheiden eines Gesellschafters sowie Bestimmungen bezüglich der Auflösung der Gesellschaft. Ab bestimmten Umsatzgrößen einer GbR, die nicht freiberuflich tätig ist (Rechtsanwalt, Arzt), kann eine Umwandlung in eine OHG erforderlich werden.
Die Vorteile der GbR sind die unmittelbare Handlungsfähigkeit. Diese Gesellschaftsform kennt keine Pflicht zur Registrierung, lässt sich schnell und kostengünstig gründen. Ein weiterer Grund, weshalb die GbR beliebt ist, da kein Stammkapital vorgeschrieben ist.
Allerdings sollten auch die Nachteile nicht außer Acht gelassen werden. Grundsätzlich haften alle Gesellschafter mit ihrem gesamten Vermögen, da keinerlei Haftungsbeschränkung vorgesehen ist.

Des Weiteren sollte bedacht werden, dass diese Unternehmensform nicht für alle Umsatzgrößen gedacht ist. Die Beschlüsse, die von der Gesellschaft getroffen werden, bedürfen in aller Regel der Einstimmigkeit. Ausnahmen können durch den Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Das bedeutet im Klartext, dass im Fall der GbR Banken und Kreditinstitute bei der Beurteilung der Bonität nicht nur das Unternehmen beleuchten, sondern in erster Linie bei ihrem Kreditentscheidungen auch auf die Finanzkraft der Gesellschafter abzielen.

Ab einem bestimmten Umsatzvolumen sowie bei gewerblicher Tätigkeit ist die Buchführungspflicht gegeben.

Ein Wechsel der Gesellschafter bei der GbR ist möglich, wenn alle Gesellschafter einverstanden sind und wenn der Gesellschaftervertrag dies nicht ausdrücklich ausschließt.
Die Grenzen zwischen der GbR und der OHG (offene Handelsgesellschaft) sind fließend.

Das Einzelunternehmen

Wie durch das Wort Einzelunternehmen bereits suggeriert, handelt es sich bei dieser Gesellschaftsform um einen einzelnen Unternehmer, der ein Gewerbe betreibt. Auch hier bedarf es weder zwingend einer Eintragung in das Handelsregister noch einer Mindesteinlage. Diese Gesellschaftsform bietet ein Höchstmaß an unternehmerischer Freiheit, denn alle Entscheidungen werden selbstständig aber auch alleinverantwortlich getroffen. Diese Gesellschaftsform, sofern sie nicht im Handelsregister eingetragen werden soll, ist tatsächlich nur für geringe Umsatzgrößen geeignet und sofern kein kaufmännisches Personal beschäftigt wird. Auch eine überregionale Tätigkeit erfordert die Eintragung im Handelsregister.

Aus diesen Erwägungen heraus kann die Eintragung in das Handelsregister sinnvoll sein. Diese ist nicht teuer, gibt dem Unternehmen mehr Handlungsspielraum und verleiht eine gewisse Seriosität, die im Geschäftsleben wichtig ist. Ist die Eintragung in das Handelregister erfolgt, wird dem Namen des Firmeneigentümers ein e.K. (für eingetragenen Kaufmann) zugesetzt.

Wie auch bei der GBR gibt es beim Einzelunternehmen keinerlei Haftungsbeschränkung. Das bedeutet, dass der Firmeninhaber unbeschränkt, also im vollen Umfang, mit seinem Privatvermögen haftet. Auch hier stellen Banken ihre Kreditentscheidungen auf die Bonität des Unternehmers ab, was mitunter eine Unternehmensfinanzierung sehr erschweren kann.

Die GmbH (Gesellschaft mit begrenzter Haftung)

Beliebt und bewährt ist die Gesellschaftsform der GmbH. Noch bis zum Jahr 2008 hatte die GmbH erhebliche Konkurrenz aus dem europäischen Ausland. Gründe waren dabei die relativ starren gesetzlichen Vorgaben zur Mindesteinlage, die aufwendige Buchhaltung und die Gewerbesteuerpflicht. Dadurch flüchteten einige Unternehmensgründer durchaus legal in die europäischen Formen der GmbH, die nur eine geringe Mindesteinlage vorsahen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die englische Limited beispielsweise sehr beliebt. Doch mit der Reform des GmbH-Rechts im Jahre 2008 reagierte die Politik auf diese Problematik und kreierte die UG (Unternehmergesellschaft), die ebenfalls haftungsbeschränkt analog zur GmbH ist.

Diese Mini-GmbH ist sinnvoll für Existenzgründer. Dabei ist die UG keine neue Rechtsform, sondern lediglich eine GmbH mit einer geringen Stammeinlage. Die Pflicht zur Zahlung der Gewerbe- und Körperschaftssteuer bleibt vollständig erhalten. Auch die Buchführungspflichten sowie die Pflicht zur Veröffentlichung der Jahresabschlüsse gemäß der §§ 325 und 326 HGB sind nicht von der üblichen GmbH zu unterscheiden. Das Gründungsverfahren ist vereinfacht und dadurch kostensparender. Einige Besonderheiten der UG sind die maximale Anzahl von bis zu drei Gesellschaftern, wobei nur ein Geschäftsführer zugelassen ist.
Seit der GmbH Reform im Jahre 2008 hat die Limited massiv an Bedeutung in Deutschland verloren.

Unterschiede bei der Buchführung und Geschäftsführung

Völlig abgesehen von den gesetzlichen Verpflichtungen zur Buchführung hat diese auch den Sinn, den Unternehmer über den Stand seiner geschäftlichen Aktivitäten zu informieren. Weiterhin ist ein genauer Stand der Buchführung eine unverzichtbare Grundlage für die Gespräche mit Banken und Geldgebern.

Grundsätzlich sind alle Gewerbetreibenden, unabhängig von der Gesellschaftsform, zur Buchführung verpflichtet. Die Unterschiede liegen im Umfang sowie im Aufwand dieser Buchführungspflicht. Es gibt neben der Einnahmen-Überschuss-Rechnung die doppelte Buchführung. Die doppelte Buchführung sieht regelmäßig die Pflicht zur Bilanzierung vor.

Freiberufler, zum Beispiel Ärzte, sind von der doppelten Buchführung befreit. Somit erfüllen diese ihre gesetzliche Pflicht bereits mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
Alle Kaufleute, die im Handelsregister eingetragen sind, haben die Pflicht zur doppelten Buchführung. Aber auch Nicht-Kaufleute, die einen Umsatz von mehr als 500.000 Euro oder einen Gewinn von über 50.000 Euro haben, sind hierzu verpflichtet.

Auch wenn die Buchführung, die durch einen Steuerberater erstellt wird, selbstverständlich bezahlt werden muss, ist diese externe Hilfe sinnvoll. Gerade Existenzgründer sollten ihre Zeit mit dem direkten Aufbau ihres Geschäftes verbringen und dort ihre Arbeitsleistung und Schwerpunkte setzen. Der Steuerberater ist erfahren und kann darüber hinaus wertvolle Hilfestellungen geben. Unverzichtbar hierbei ist ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu diesem Fachmann. Eventuell kann der Existenzgründer die vorbereitende Buchführung übernehmen, um Kosten zu sparen. Hierbei können auch einige spezielle Programme helfen, die teilweise kostenfrei sind. Kompetente Infos und Hilfen für Ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung erhalten Sie Beispielhaft hier: die Gehaltsabrechnung

Bei Gründung einer GmbH unbedingt zu beachten

Die Pflichten des Geschäftsführers einer GmbH sind vielfältig und sollten keinesfalls außer Acht gelassen werden. Zunächst hat der Geschäftsführer einer GmbH die Pflicht, die Geschicke des Unternehmens im Sinne der Gesellschafter zu führen. Dies schließt ausdrücklich eine laufende Information aller am Unternehmen Beteiligten mit ein.
Dabei spielt die Ausführungen der Beschlüsse aus den Gesellschafterversammlungen eine wichtige Rolle.

In fiskalischer Hinsicht hat der Geschäftsführer strikt auf die Einhaltung der steuerlichen Pflichten der Gesellschaft zu achten. Das rechtzeitige Bezahlen der Beiträge zur Sozialversicherung nimmt eine hohe Stellung ein. Wird diese Pflicht vernachlässigt, kann das strafrechtliche Konsequenzen mit sich führen.

Fazit
In den meisten Fällen wird die Gesellschaftsform der GbR oder des Einzelunternehmers die bewährte Wahl bei der Existenzgründung sein. In beiden Fällen ist es ratsam sich bei der Lohnbuchhaltung und im Steuerrecht durch Fachpersonal unterstützen zu lassen.

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