Übersicht über die neue eBay-Zahlungsabwicklung

Lange vorbei sind die Zeiten in denen Verkäufer, die einen professionellen eBay-Shop betrieben haben, die Gewissheit auf gerechte und interessante Gewinne hegen konnten und im Umkehrschluss, auch durch eigenen Fleiß sowie geschäftliches Geschick davon leben konnten. eBay Deutschland hat für Verkäufer die Bedingungen in den letzten Jahren sukzessive verschlechtert. Es wurde dabei immer uninteressanter, teilweise sogar riskanter als Verkäufer ein nachhaltiges Einkommen über diese Auktionsplattform zu generieren.

Zunächst kündigte eBay Deutschland eine Vielzahl der im Servicebereich tätigen Mitarbeiter. Diese Dienstleistung, sofern man überhaupt davon sprechen kann, wurde an fremde Unternehmen übertragen, die ihre Mitarbeiter deutlich schlechter entlohnten als die ehemaligen Mitarbeiter von eBay. Fehlende Kompetenzen, automatisierte Antworten kurz Servicewüste eBay und dies bei immer steigenden Gebühren, die gepaart werden mit unvorteilhaften Bedingungen.

Die neue eBay-Zahlungsabwicklung

  1. der Käufer bezahlt an eBay
  2. eBay informiert den Verkäufer
  3. der Verkäufer verschickt den Artikel
  4. eBay bezahlt den Verkäufer
  • Dies soll allerdings jetzt, nämlich ab 12.06.2012 für bestehende
    Konten der Auktionsplattform und ab sofort für neue Mitglieder, völlig
    anders werden.
  • Mit Ausnahme der Selbstabholer sowie bei Sendungen, die per Nachname
    versandt werden, muss dann der Kaufpreis inklusive der Versandgebühren
    direkt an eBay bezahlt werden.
  • Sobald eine Versandmitteilung erfolgt zahlt eBay den erzielten
    Auktionspreis oder ggf. Festpreis zeitnah an den Verkäufer aus.

Ebay – Mit „Sicherheit“ – Gewinnorientiert?

Was vielleicht veranlasst wurde, um den Sicherheitsgedanken bei eBay zu verstärken, mutiert allerdings zu einer Verwaltungskrake, ein Moloch an Verwaltungsaufwand, aber gleichzeitig für eBay eine hochinteressante weitere Einnahmequelle. Denn was nicht verschwiegen werden darf ist, dass die kalkulierten Einnahmen, die diese Art von Transaktionen, die Deutschland und Österreich betreffen, im Bereich von fünf Milliarden Euro bei etwa 200 Millionen Buchungen im Jahr ausmachen. Diese gigantische Summe wird ohne Zweifel bei eBay einen finanziellen Bodensatz erzeugen, der allein im Bereich der erzielten Zinsen spektakulär sein dürfte und das Unternehmen mit weiterem Geld füttern wird.

Doch der zusätzliche Gewinn von eBay mal ganz beiseite, die nächste interessante Frage ist, wie sieht es mit der Sicherheit für den Verkäufer aus? Um es vorwegzunehmen und deutlich zu sagen: sehr schlecht. Zunächst ist da das Thema der rechtlichen Unsicherheit. Denn Zahlungsempfänger der Verkaufserlöse ist weder eBay Deutschland noch eine andere, in Deutschland ansässige und mit eBay rechtlich verstricktes sowie von diesem Unternehmen finanziell verbürgtes Tochterunternehmen. Allein zuständig für diesen Zahlungsverkehr in Milliardenhöhe ist die eBay Services S.a.r.l mit Sitz in Luxemburg. Doch über dieses Unternehmen, welches in Kürze über fünf Milliarden Euro im Jahr treuhänderisch verwalten soll, ist aktuell kaum etwas bekannt. Auch die zwingend vorgeschriebene Anbieterkennzeichnung nach § 5 Telemediengesetz sucht der interessierte eBay Kunde bislang erfolglos. Bis Anfang März war auch vor Ort in der Wirkungsstätte Luxemburg weder eine Registrierung noch eine Steueridentifikationsnummer feststellbar. Eine gewagte Vorgehensweise für ein Unternehmen, welches in Zukunft die meisten Zahlungen des Auktionshauses verwalten soll. Doch sowohl Käufern wie auch Verkäufern muss klar sein, dass eBay weder eine Banklizenz hat, noch beabsichtigt eine solche zu beantragen.

Daher ist die Frage der Sicherungen sämtlicher Zahlungen zumindest offen. Selbst wenn eBay als Unternehmen als finanziell gesund gelten kann, wozu die Verkäufer mit überhöhten Zahlungen in nicht unerheblichem Maße beigetragen haben, ist eine Insolvenz eines solches Unternehmens, durch welche Gründe auch immer, nie ausgeschlossen. Es sind bereits internationale Unternehmen mit einem wesentlich größeren Volumen in Schieflage geraten, was für Kundeneinlagen das vollständige aus bedeuten konnte.

Zwangsservice bei Ebay

Auch die von eBay gewählte rechtliche Konstruktion bei diesem Zwangsservice ist mehr als zweifelhaft, denn in Zukunft verkauft jeder Kunde alle Forderungen aus eBay Verkäufen der eBay Services S.a.r.l . Als Gegenleistung erhält er den ihm ohnehin zustehenden Kaufpreis. Dabei werden schnelle Zahlungen des Kaufpreises die Ausnahme bleiben den die eBay Services S.a.r.L. kann sich mit der Begleichung des Kaufpreises Zeit lassen. Zeit, die zulasten der Verkäufer geht, welche die Ware bereits bezahlt haben und Zeit die die Kassen dieser bislang nicht eingetragenen Gesellschaft erfreulich füllen werden, so hier der Zinsgewinn bedacht wird. Daher kann die Frage nur lauten, warum eBay dieses kundenunfreundliche und insbesondere verkäuferschädliche Instrument installiert.

In diesem Bereich kann nur spekulativ geantwortet werden. Das Unternehmen hat bislang völlig machtlos auf den wachsenden Erfolg der Verkaufsplattform Amazon reagiert. Doch das neue Zahlungssystem, welches wie beschrieben zwangsweise eingeführt wird, ist auch eine Diskreditierung des Käuferschutzes durch das Eigenprodukt von eBay, PayPal. Es bleibt zu hoffen, dass diese bislang erfolgreichste Auktionsplattform dieses System nicht zur Steigerung der Erträge einführt. Zum Kundenwohl, das sei hier festgehalten, ist es jedenfalls nicht und oben drauf wird mit der Einführung der neuen Zahlungsabwicklung die heiß geliebte Verkaufsprovision um 2% angehoben.

Ein Pilotprojekt zu dem neuen Bezahlsystem wurde mehr oder weniger erfolgreich an 500.000 Mitgliedskonten getestet.

Fazit
Verkäufer erhalten ihr Geld nach Auszahlungsfristen – Der Verkäufer erhält sein Geld ohne Verzinsung einfach später, muss bei seinem Zulieferer zwangsweise in Vorkasse treten und darf sich über Gebührenerhöhungen freuen.

Auch wenn eBay alles darum geben wird diesen Service einzuführen, im Markt zu etablieren und die negative Publicity durch Gegenkampagnen zu verharmlosen, werden mit höchster Wahrscheinlichkeit unzählige Kleinunternehmer von der eBay Plattform abwandern und sich neu orientieren. eBay scheint ein Augenmerk auf die „großen“ Verkäufer der Branche gerichtet zu haben, denn nur dann kann sich der Mehraufwand auszahlen. Wie der Verbraucher reagieren wird, bleibt noch abzuwarten. Wahrscheinlich wird er Strukturwechsel kaum wahrnehmen und letztendlich akzeptieren.

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